Art ist nicht gleich Art
Was wir in der Taxonomie „Arten“ nennen, sind Worte für verschiedene Gruppen in der Natur, die sich widersprechen. „Integrative Taxonomie“ ist ein Kunstkonstrukt voller Widersprüche.
Gibt es Arten (Spezies) oder sind es Konstrukte unseres Geistes?
Der Artbegriff ist umstritten und wird auf verschiedene Tier- und Pflanzengruppen in verschiedener Bedeutung angewendet.
Unumstritten ist die umfassende Definition des Artbegriffs: Eine Art ist eine Gruppe von Individuen, die durch bestimmte Faktoren zusammengehalten werden (wenn diese Faktoren zueinander ähnlich genug sind) und durch eben diese Faktoren von Nachbararten abgetrennt werden (wenn diese Faktoren zueinander nicht ähnlich genug sind). Diese Definition zeigt bereits das ganze Dilemma. „Ähnlich genug“ unterliegt einer durchaus subjektiven Grenzziehung. Daraus folgt, dass Arten keine objektiv in der Natur existierenden Dinge sein können, sondern es sind die Produkte der von uns gemachten Grenzziehung. Man kann die Grenzen eng ziehen (früherer Terminus: „Splitter“) oder man kann die Grenzen weit ziehen (früherer Terminus: „Lumper“). Daraus ergeben sich in einer Gattung oder Familie ganz unterschiedliche Artenzahlen.
Das zweite Problem des Artbegriffs liegt in der Tatsache begründet, dass es unterschiedliche Gruppierungsfaktoren gibt. Man kann Individuen (a) nach evolutionär relevanten Merkmalen, (b) nach dem Verwandtschaftsgrad oder (c) nach ihrer reproduktiven Kompatibilität zu Arten gruppieren, also nach der Fähigkeit zur Erzeugung vitaler und fertiler Nachkommen. Das Problem ist, dass die drei Gruppierungsmöglichkeiten zwar zu sich überschneidenden, aber nicht zu deckungsgleichen Einheiten führen. Wenn ein Taxonom also Individuen zu Arten gruppiert, dann muss er sich vorher entscheiden, welche der drei Faktoren er zur Artgruppierung anwendet. Nimmt er (a) oder (b) oder (c)? Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, dass man je nach verwendetem Artkonzept zum Beispiel die Vögel auf der Erde in 10.000 bis 18.000 Arten einteilen kann. Diese Schlussfolgerung wird in den meisten taxonomischen Publikationen völlig ignoriert.
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Der Biophilosoph David Hull (1935 – 2010) hat viele der Grundlagen taxonomischer Gruppierung gelegt.
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YouTubes:
Mai 2026: „Gibt es Arten (Spezies) oder sind es Konstrukte unseres Geistes?“
Vortrag am 12.05.2026 bei der "Stiftung Naturschutz Berlin"
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Öffentliche Vorträge als Powerpoints und/oder pdf`s, zurückgehend bis 2017:
Vortrag am 12.05.2026 bei der "Stiftung Naturschutz Berlin": „Gibt es Arten (Spezies) oder sind es Konstrukte unseres Geistes?“
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Vortrag im Forschungs-Kolloquium der Theoretischen Philosophie in Düsseldorf (22.10.2019):
„Die universale Spezies-Definition - und warum es sie nicht geben kann“
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Vortrag auf der 40ten Jahrestagung der "Gesellschaft für Tropenornithologie" in Köln (13.09.2019):
"Arten in der Ornithologie - Was ist real und was ist geistiges Konzept“
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Vortrag auf dem "Symposium für Schmetterlingschutz und 21. UFZ-Workshop zur Populationsbiologie von Tagfaltern" in Leipzig (14. - 16.03.2019):
„Das Problem der paraphyletischen Art, erläutert am Beispiel des Waldbrettspiels (Pararge aegeria)“
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Vortrag auf dem "31. Westdeutschen Entomologentag" in Düsseldorf (25.11.2018):
„Der Rassebegriff bei Schmetterling und Mensch - Wann ist eine Rasse eine Rasse?“
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Vortrag auf der Jahrestagung der "Deutschen Ornithologen-Gesellschaft" in Heidelberg (22.09.2018):
„Der Rassebegriff bei Vogel und Mensch – Wann ist eine Rasse eine Rasse?“
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Vortrag am "Symposium für Schmetterlingsschutz und
20. UFZ–Workshop zur Populationsbiologie von Tagfaltern & Widderchen" UFZ (Leipziger KUBUS)“ (2.3.2018):
Vortrag: "Wohin steuert die Taxonomie in der Ära des Barcodings? – Haben Netz und Bestimmungsbuch keine Zukunft mehr?______________________________________________________________________________
Vortrag am "Westdeutschen Entomologentag" in Düsseldorf (25.11.2017):
"Wohin steuert die Taxonomie? - Haben bald Netz, Lupe und Bestimmungsbuch keine Zukunft mehr?"
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Vortrag auf der DOG-Tagung 2017 in Halle (2.10.2017):
„10 000 oder 11 000 Vogelarten – Welche Taxonomie wird sich durchsetzen?"
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Publikationen zum Artbegriff:
Artikel in Zeitschriften:
Kunz,W. (1991). Was ist eine Spezies? - Sagen die Methoden der Molekularbiologie wirklich mehr aus? Verh. Westd. Entom. Tag 7-10.
Kunz,W. (2001). Taking more care in using different species concepts - an opinion. Parasitol. Res. 87, 413-416.
Kunz,W. (2002). When is a parasite species a species? Trends Parasitol. 18, 121-124.
Kunz,W. (2002). Was ist eine Art? Biologie in unserer Zeit 32, 10-19.
Kunz,W. (2002). Species concepts versus species criteria: response to Richard Paul. Trends Parasitol. 18, 439-440.
Kunz,W. (2006). DNA barcoding in taxonomy and the perception of species in nature. BioScience 56, 93.
Kunz,W. (2015). 1400 new bird species – the "Tobias-criteria" for species delimitation. 16. Jahrestagung der Gesellschaft für Biologische Systematik (GfBS) 1-33.
Kunz,W. (2018). Die Kunst, Organismen in Arten einzuteilen - Wohin steuert die Taxonomie? Biologie in unserer Zeit 48, 170-178.
Kunz,W. (2020). Rasse und Rassismus. Novo Argumente für den Fortschritt, 20.02.2010, 1-6.
Kunz, W. (2021): Immer wieder missverstanden - Die Unterteilung von Arten in Rassen. In: Biologie in unserer Zeit 51 (2), 168-178.
Kunz, W. (2023): Immer wieder missverstanden - Die Art als Reproduktionsgemeinschaft. In: Biologie in unserer Zeit 53 (3), S. 2–14. DOI: 10.11576/biuz-6595
Bücher:
Kunz,W. (2012). Do species exist? - Principles of taxonomic classification, 273 Seiten. (Weinheim: Wiley-VCH/ Blackwell).
Ein Führer für Biologen und besonders Taxonomen, die mehr wollen als nur Artbestimmungen. Über den "biologischen Artbegriff" von Ernst Mayr hinaus hat sich das heutige biologische und philosophische Wissen über das, was eine Art ist, weiterentwickelt. Das Buch ist speziell darauf ausgerichtet, philosophische Erkenntnisse für Biologen einfach zu erläutern. Was existiert in der Natur, und was sind Konzepte menschlicher Einteilungsprinzipien?
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Lesen Sie mehr zu Details und Definitionen von Art und Rasse.

