Art ist nicht gleich Art

Was wir in der Taxonomie „Arten“ nennen, sind Worte für verschiedene Gruppen in der Natur, die sich widersprechen. „Integrative Taxonomie“ ist ein Kunstkonstrukt voller Widersprüche.

 

Gibt es Arten (Spezies) oder sind es Konstrukte unseres Geistes?

Der Artbegriff ist umstritten und wird auf verschiedene Tier- und Pflanzengruppen in verschiedener Bedeutung angewendet. 
Unumstritten ist die umfassende Definition des Artbegriffs: Eine Art ist eine Gruppe von Individuen, die durch bestimmte Faktoren zusammengehalten werden (wenn diese Faktoren zueinander ähnlich genug sind) und durch eben diese Faktoren von Nachbararten abgetrennt werden (wenn diese Faktoren zueinander nicht ähnlich genug sind). Diese Definition zeigt bereits das ganze Dilemma. „Ähnlich genug“ unterliegt einer durchaus subjektiven Grenzziehung. Daraus folgt, dass Arten keine objektiv in der Natur existierenden Dinge sein können, sondern es sind die Produkte der von uns gemachten Grenzziehung. Man kann die Grenzen eng ziehen (früherer Terminus: „Splitter“) oder man kann die Grenzen weit ziehen (früherer Terminus: „Lumper“). Daraus ergeben sich in einer Gattung oder Familie ganz unterschiedliche Artenzahlen. 

Das zweite Problem des Artbegriffs liegt in der Tatsache begründet, dass es unterschiedliche Gruppierungsfaktoren gibt. Man kann Individuen (a) nach evolutionär relevanten Merkmalen, (b) nach dem Verwandtschaftsgrad oder (c) nach ihrer reproduktiven Kompatibilität zu Arten gruppieren, also nach der Fähigkeit zur Erzeugung vitaler und fertiler Nachkommen. Das Problem ist, dass die drei Gruppierungsmöglichkeiten zwar zu sich überschneidenden, aber nicht zu deckungsgleichen Einheiten führen. Wenn ein Taxonom also Individuen zu Arten gruppiert, dann muss er sich vorher entscheiden, welche der drei Faktoren er zur Artgruppierung anwendet. Nimmt er (a) oder (b) oder (c)? Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, dass man je nach verwendetem Artkonzept zum Beispiel die Vögel auf der Erde in 10.000 bis 18.000 Arten einteilen kann. Diese Schlussfolgerung wird in den meisten taxonomischen Publikationen völlig ignoriert. 

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Kunz, W. (2017): Artenschutz durch Habitatmanagement - Der Mythos von der unberührten Natur. Weinheim: Wiley-VCH.
Kunz, W. (2017): Artenschutz durch Habitatmanagement - Der Mythos von der unberührten Natur. Weinheim: Wiley-VCH.
Der Bio­phi­lo­soph David Hull (1935 – 2010) hat viele der Grund­la­gen ta­xo­no­mi­scher Grup­pie­rung ge­legt.

Der Bio­phi­lo­soph David Hull (1935 – 2010) hat viele der Grund­la­gen ta­xo­no­mi­scher Grup­pie­rung ge­legt.

 

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YouTubes:

Mai 2026: „Gibt es Arten (Spezies) oder sind es Konstrukte unseres Geistes?“

Vortrag am 12.05.2026 bei der "Stiftung Naturschutz Berlin"

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Öffentliche Vorträge als Powerpoints und/oder pdf`s, zurückgehend bis 2017:

Vortrag am 12.05.2026 bei der "Stiftung Naturschutz Berlin": „Gibt es Arten (Spezies) oder sind es Konstrukte unseres Geistes?“

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Vor­trag im Forschungs-​Kolloquium der Theo­re­ti­schen Phi­lo­so­phie in Düs­sel­dorf   (22.10.2019):
„Die uni­ver­sa­le Spezies-​Definition - und warum es sie nicht geben kann“
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Vor­trag auf der 40ten Jah­res­ta­gung der "Ge­sell­schaft für Tro­pen­or­ni­tho­lo­gie" in Köln  (13.09.2019):
"Arten in der Or­ni­tho­lo­gie - Was ist real und was ist geis­ti­ges Kon­zept“
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Vor­trag auf dem "Sym­po­si­um für Schmet­ter­ling­schutz und 21. UFZ-​Workshop zur Po­pu­la­ti­ons­bio­lo­gie von Tag­fal­tern" in Leip­zig  (14. - 16.03.2019):
„Das Pro­blem der pa­ra­phyl­eti­schen Art, er­läu­tert am Bei­spiel des Wald­brett­spiels (Pa­r­ar­ge ae­ge­ria)“
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Vor­trag auf dem "31. West­deut­schen En­to­mo­lo­gen­tag" in Düs­sel­dorf   (25.11.2018):
„Der Ras­se­be­griff bei Schmet­ter­ling und Mensch - Wann ist eine Rasse eine Rasse?“
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Vor­trag auf der Jah­res­ta­gung der "Deut­schen Ornithologen-​Gesellschaft" in Hei­del­berg   (22.09.2018):
„Der Ras­se­be­griff bei Vogel und Mensch – Wann ist eine Rasse eine Rasse?“
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Vor­trag am "Sym­po­si­um für Schmet­ter­lings­schutz und
20. UFZ–Work­shop zur Po­pu­la­ti­ons­bio­lo­gie von Tag­fal­tern & Wid­der­chen" UFZ (Leip­zi­ger KUBUS)“ (2.3.2018):
Vor­trag: "Wohin steu­ert die Ta­xo­no­mie in der Ära des Bar­co­dings? – Haben Netz und Be­stim­mungs­buch keine Zu­kunft mehr?______________________________________________________________________________ 
Vor­trag am "West­deut­schen En­to­mo­lo­gen­tag" in Düs­sel­dorf (25.11.2017):
"Wohin steu­ert die Ta­xo­no­mie? - Haben bald Netz, Lupe und Be­stim­mungs­buch keine Zu­kunft mehr?"
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Vor­trag auf der DOG-​Tagung 2017 in Halle (2.10.2017):
„10 000 oder 11 000 Vo­gel­ar­ten – Wel­che Ta­xo­no­mie wird sich durch­set­zen?"

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Publikationen zum Artbegriff:

Ar­ti­kel in Zeit­schrif­ten:

Kunz,W. (1991). Was ist eine Spe­zi­es? - Sagen die Me­tho­den der Mo­le­ku­lar­bio­lo­gie wirk­lich mehr aus? Verh. Westd. Entom. Tag 7-10.

Kunz,W. (2001). Ta­king more care in using dif­fe­rent spe­ci­es con­cepts - an opini­on. Pa­ra­si­tol. Res. 87, 413-​416.

Kunz,W. (2002). When is a pa­ra­si­te spe­ci­es a spe­ci­es? Trends Pa­ra­si­tol. 18, 121-​124.

Kunz,W. (2002). Was ist eine Art? Bio­lo­gie in un­se­rer Zeit 32, 10-19.

Kunz,W. (2002). Spe­ci­es con­cepts ver­sus spe­ci­es cri­te­ria: re­spon­se to Ri­chard Paul. Trends Pa­ra­si­tol. 18, 439-​440.

Kunz,W. (2006). DNA bar­co­ding in ta­xo­no­my and the per­cep­ti­on of spe­ci­es in na­tu­re. Bio­Sci­ence 56, 93.

Kunz,W. (2009). Is the tech­ni­que of DNA bar­co­ding re­al­ly the fu­ture of ta­xo­no­my? [in Ger­man]Ist die Tech­nik des DNA-​Barcodings wirk­lich die Zu­kunft der Ta­xo­no­mie? Acta Bio­lo­gi­ca Ben­ro­dis 15, 101-​139.

Kunz,W. (2010). The spe­ci­es of the Com­mon Blue. No­bo­dy can give an ar­gu­ment why Po­ly­om­ma­tus ica­rus is a sin­gle spe­ci­es [in Ger­man]. Die Arten des Ge­mei­nen Bläu­lings - nie­mand kann ein Ar­gu­ment nen­nen, warum Po­ly­om­ma­tus ica­rus eine ein­zi­ge Art ist. En­to­mo­lo­gie heute 22, 205-​210.

Kunz,W. (2011). Ad­den­dum to: The spe­ci­es of the Com­mon Blue. No­bo­dy can give an ar­gu­ment why Po­ly­om­ma­tus ica­rus is a sin­gle spe­ci­es [in Ger­man]. Ad­den­dum zu: Die Arten des Ge­mei­nen Bläu­lings - nie­mand kann ein Ar­gu­ment nen­nen, warum Po­ly­om­ma­tus ica­rus eine ein­zi­ge Art ist. En­to­mo­lo­gie heute 23, 207-​209.

Kunz,W. (2011). The im­pact of mi­micry to un­der­stand the spe­ci­es con­cept [in Ger­man] Die Be­deu­tung der Mi­mi­kry für das Ver­ständ­nis des Art­be­griffs. En­to­mo­lo­gie heute 23, 3-22.

Kunz,W. (2012). Ge­ne­tic di­stance and del­i­mi­ta­ti­on of spe­ci­es - bar­code ta­xo­no­my has its own spe­ci­es con­cept [in Ger­man] Ge­ne­ti­sche Di­stanz und Art­ab­gren­zung - die Barcode-​Taxonomie ver­tritt ihren ei­ge­nen Art­be­griff. En­to­mo­lo­gie heute 24, 277-​286.

Kunz,W. (2015). In­te­gra­ti­ve Spe­ci­es or Barcode-​Species - What is the Cor­rect Spe­ci­es? - Ad­di­tio­nal note to the ar­ti­cle "In­te­gra­ti­ve Ta­xo­no­my, a New Ap­proach to Ans­wer the Ques­ti­ons in the Bio­sys­te­ma­tics" by H. Ra­ja­ei [in Ger­man] In­te­gra­ti­ve Art oder Barcode-​Art - wel­che ist die rich­ti­ge Art? - Er­gän­zen­de Be­mer­kung zum Ar­ti­kel „In­te­gra­ti­ve Ta­xo­no­mie, ein neuer An­satz, Fra­gen der Bio­sys­te­ma­tik zu be­ant­wor­ten" von H. Ra­ja­ei. En­to­mo­lo­gie heute 27, 177-​181.

Kunz,W. (2015). 1400 new bird spe­ci­es – the "Tobias-​criteria" for spe­ci­es del­i­mi­ta­ti­on. 16. Jah­res­ta­gung der Ge­sell­schaft für Bio­lo­gi­sche Sys­te­ma­tik (GfBS) 1-33.

Kunz,W. (2018). Gibt es 10.000 oder 11.000 Vo­gel­ar­ten? - Bar­co­ding con­tra Check­list. Vo­gel­war­te 55, 344-​346.

Kunz,W. (2018). Die Kunst, Or­ga­nis­men in Arten ein­zu­tei­len - Wohin steu­ert die Ta­xo­no­mie? Bio­lo­gie in un­se­rer Zeit 48, 170-​178.

Kunz,W. (2018). Der Ras­se­be­griff bei Vogel und Mensch - Wann ist eine Rasse eine Rasse?. Vo­gel­war­te 56, 415-​417.

Reydon, T. A. C.; Kunz, W. (2019): Species as natural entities, instrumental units and ranked taxa: new perspectives on the grouping and ranking problems. In: Biological Journal of the Linnean Society 126, S. 623–636.

Kunz,W. (2020). Rasse und Ras­sis­mus. Novo Ar­gu­men­te für den Fort­schritt, 20.02.2010, 1-6.

Kunz, Wer­ner (2021): Kann man den Be­griff der Rasse ein­fach ab­schaf­fen? Hg. v. Novo Ar­gu­men­te für den Fort­schritt. On­line ver­füg­bar unter https://www.novo-​argumente.com/ar­ti­kel/kan­n_­man_­den_be­grif­f_­der_ras­se_ein­fach_­ab­schaf­fen, zu­letzt ak­tua­li­siert am 23.07.2021, zu­letzt ge­prüft am 02.12.2025.

Kunz, W. (2021): Immer wie­der miss­ver­stan­den - Die Un­ter­tei­lung von Arten in Ras­sen. In: Bio­lo­gie in un­se­rer Zeit 51 (2), 168-​178.

Rey­don, T. A. C.; Kunz, W. (2021): Clas­si­fi­ca­ti­on below the spe­ci­es level: When are in­fraspe­ci­fic groups bio­lo­gi­cal­ly me­a­ning­ful? In: Bio­lo­gi­cal Jour­nal of the Lin­ne­an So­cie­ty 134 (1), 246-​260. DOI 10.1093/bio­lin­ne­an/blab067

Kunz, W. (2021): Ge­ne­ti­sche und phä­no­ty­pi­sche Viel­falt des Men­schen – Eine Aus­ein­an­der­set­zung um das Rassen-​Konzept. Merk­ma­le, die An­pas­sun­gen an die lo­ka­len Merk­ma­le, die An­pas­sun­gen an die lo­ka­len Le­bens­ver­hält­nis­se sind, er­mög­li­chen die Ein­tei­lung der Men­schen in Ras­sen. In: Na­turw. Runds. 74 (8), S. 500–504.

Kunz, W. (2023): Immer wie­der miss­ver­stan­den - Die Art als Re­pro­duk­ti­ons­ge­mein­schaft. In: Bio­lo­gie in un­se­rer Zeit 53 (3), S. 2–14. DOI: 10.11576/biuz-​6595

Bü­cher:

Kunz,W. (2012). Do spe­ci­es exist? - Princi­ples of ta­xo­no­mic clas­si­fi­ca­ti­on, 273 Sei­ten. (Wein­heim: Wiley-​VCH/ Black­well).

Ein Füh­rer für Bio­lo­gen und be­son­ders Ta­xo­no­men, die mehr wol­len als nur Art­be­stim­mun­gen. Über den "bio­lo­gi­schen Art­be­griff" von Ernst Mayr hin­aus hat sich das heu­ti­ge bio­lo­gi­sche und phi­lo­so­phi­sche Wis­sen über das, was eine Art ist, wei­ter­ent­wi­ckelt. Das Buch ist spe­zi­ell dar­auf aus­ge­rich­tet, phi­lo­so­phi­sche Er­kennt­nis­se für Bio­lo­gen ein­fach zu er­läu­tern. Was exis­tiert in der Natur, und was sind Kon­zep­te mensch­li­cher Ein­tei­lungs­prin­zi­pi­en?

 

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